Allgemeines Wissen und Infos zur Griffschrift
Die Steirische Harmonika wird heute häufig nach Griffschrift gespielt. Besonders der Anfänger lernt nach dem Griffschriftsystem leichter als nach normalen Noten und kommt schneller zu ersten Erfolgserlebnissen. Ist man einmal über das erste Anfängerstadium hinaus, sollte man auch lernen, auswendig zu spielen, gehörte Stücke nachspielen können und nach normalen Noten zu spielen.
So ein Griffschriftblatt sieht aus wie normale Noten — es sind aber keine Noten, es ist eine Tabulatur. Jedes Notensymbol bedeutet nur einen bestimmten Knopf auf der Harmonika, zeigt also nicht die wirkliche Tonhöhe, sondern die zu drückende Taste. Erkennbar ist dies am Fehlen des Violin- oder sonstigen Schlüssels und am Fehlen der Vorzeichen.
Auf der Harmonika erklingen beim Zusammendrücken andere Töne als beim Auseinanderziehen: Unterstrichene Notensymbole werden im Zudruck gespielt, nicht unterstrichene im Aufzug.
Ich erkläre hier nach dem System Max Rosenzopf — es ist für die Steirische noch immer das verbreitetste. Im Jahr 1916 ließ der Helbling-Verlag ein Griffschrift-System patentieren, Rosenzopf hat dieses ältere System für die Steirische adaptiert und 1975 eine Schule für Steirische Harmonika herausgegeben, die bis 1996 gezählte 26 Auflagen erreichte.
Vierreihige Harmonika — 2. Reihe
Die zweite Reihe ist für den Anfang am leichtesten zu bewältigen. In der zweiten Reihe gibt es eine einzige Ausnahme — den Gleichton (6. Knopf), der Dominantton (5. Ton) der jeweiligen Tonart. Die Notensymbole stehen auf den Notenlinien, der Gleichton auf der mittleren Notenlinie.
Die zugehörigen Basstasten sind B bzw. b.
Vierreihige Harmonika — 3. Reihe
Auch in der dritten Reihe gibt es einen Gleichton am 6. Knopf. Die Notensymbole für die dritte Reihe stehen zwischen den Notenlinien mit einem vorgesetzten Kreuz, der Gleichton steht zwischen mittlerer und vierter Notenlinie.
Die zugehörigen Basstasten sind C bzw. c.
Vierreihige Harmonika — 1. Reihe (äußere)
In der ersten Reihe gibt es keinen Gleichton. Als Orientierungston dient der 6. Knopf (Dominantton im Zudruck). Die Notensymbole stehen zwischen den Notenlinien, der Orientierungston zwischen zweiter und mittlerer Notenlinie.
Die zugehörigen Basstasten sind A bzw. a.
Vierreihige Harmonika — 4. Reihe (innerste)
Auch in der vierten Reihe gibt es einen Gleichton am 6. Knopf. Die Notensymbole stehen auf den Notenlinien mit einem vorgesetzten Kreuz, der Gleichton steht auf der vierten Notenlinie.
Die zugehörigen Basstasten sind D bzw. d.
Griffschriftbelegung der Diskantseite
Bauarten Diskant
Hat Ihre Harmonika oben oder unten mehr oder weniger Tasten, oder innen Zusatztasten? Ausgehend vom Gleichton gilt für Ihre Harmonika das Gleiche wie oben beschrieben. Fehlende Tasten können Sie halt nicht spielen — es sind ohnedies nur selten gebrauchte Tasten.
Bassbelegung
Benennung der Knöpfe in Griffschrift nach Rosenzopf, vierreihige Harmonika, beliebige Tonart. Zug und Druck unterscheiden sich nur durch den Unterstrich beim Druck.
System Rosenzopf
Eine Variante dazu ist die Benennung nach Volker Derschmidt, abgeleitet von der Rosenzopf-Benennung:
Eine logischere Bassbenennung nach Erich Pauli:
Florian Michlbauer's System benennt die äußere Reihe wie Pauli, nur die innere Reihe ist unterschiedlich benannt — der X-Bass ist ein zusätzlicher Bassknopf, in dieser Bauart mit dem Ton E belegt.
Wichtig für den Anfänger:
- Die Knöpfe A und a gehören zur 1. (äußersten) Melodiereihe
- Die Knöpfe B und b gehören zur 2. Melodiereihe
- Die Knöpfe C und c gehören zur 3. Melodiereihe
- Die Knöpfe D und d gehören zur 4. (innersten) Melodiereihe
Bauarten Bass
Es gibt inzwischen etliche Bauarten der Harmonika. Heute werden häufig Harmonikas mit sogenannten Übergangsbässen statt der traditionellen Mollbässe verkauft. Meiner Meinung nach wird damit ein Könner in seinen Möglichkeiten auf diesem Instrument sehr eingeschränkt.
Erklärung des Wechselbass
Ein gut gespielter Wechselbass macht viele Stücke schöner. Die häufig dafür angegebene Regel: Beginn im Zudruck mit dem Grundbass (Ringfinger der linken Hand), Beginn im Zug mit dem Nebenbass (Zeigefinger der linken Hand).
Einfacher Walzertakt mit Wechselbass:
C c c B c c B c c C c c B c c C c c C c c B c c
Fingersatz: 4 3 3 2 3 3 2 3 3 4 3 3 2 3 3 4 3 3 4 3 3 2 3 3
Einfacher Polkatakt mit Wechselbass:
C c B c B c C c B c C c C c B c
Fingersatz: 4 3 2 3 2 3 4 3 2 3 4 3 4 3 2 3
Von dieser Regel sollte man nur selten abweichen. Bei kurzen 8-taktigen Ländlern, Mazurkas und bei allen Zwiefachen sollte man keinen Wechselbass spielen.